Im Jahr 2025 wurden wir Zeug*innen eines Vormarsches des Autoritarismus in der ganzen Welt, den wir mit Entsetzen und Abscheu verfolgt haben. Schockierende Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung, Unterdrückung und Orwellsche Neusprache, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen, sind inzwischen in vielen Teilen der Welt zu alltäglicher Realität geworden. Das erinnert mich an Edgar Mayers Sachbuch „They Thought They Were Free” (Sie glaubten, sie seien frei) aus dem Jahr 1955, eine Studie darüber, „wie politische Tyrannei entsteht“, basierend auf Interviews, die er 1953 mit zehn Männern in Marburg (Deutschland) geführt hatte. Wie Wikipedia zusammenfasst: „Der Autor stellte fest, dass seine Interviewpartner gute Erinnerungen an die Nazizeit hatten und Adolf Hitler nicht als böse ansahen. Sie empfanden sich selbst als sehr frei während der Nazi-Herrschaft …“ Ein Rezensent schrieb 1955, dass das Buch „aufzeigt, wie leicht Menschen in jeder Gesellschaft einer dynamischen politischen Bewegung zum Opfer fallen können, wenn ihr Leben ausreichend unsicher, frustrierend oder leer ist“ (Hervorhebungen von mir, siehe Wikipedia). Die Hauptaufgabe der OMA ist und war es schon immer, dieser Unsicherheit, Frustration und Leere mit Möglichkeiten für Gemeinschaft, Verbindung, Kreativität und Sinnhaftigkeit entgegenzuwirken – so verstehen wir „Empowerment“. Das beginnt ganz einfach damit, ein Ort zu sein, an dem Menschen sich sicher genug fühlen, um ihre Gedanken und Gefühle miteinander zu teilen, ohne Angst davor zu haben, abgewertet, verspottet, manipuliert oder ausgegrenzt zu werden – im Gegensatz zu dem oft feindseligen, wertenden und gefährlichen Raum des öffentlichen Diskurses. Alle OMA-Projekte zielen darauf ab, diese Art der Selbstermächtigung zu fördern, mit unterschiedlichen Gemeinschaften, Themen und Methoden. Wenn Ihr diesen Newsletter lest, wisst Ihr wahrscheinlich schon, wie der Yiddish Summer Weimar jeden Sommer Menschen zusammenbringt, um im Kontext der jiddischen und verwandter Kulturen mehr über Vielfalt und Kreativität zu lernen und sie zu feiern. Vielleicht kennt Ihr aber noch nicht die vielen anderen OMA-Projekte, die lokal, national und international aktiv sind. Ich lade Euch ein, in diesem Newsletter mehr über einige dieser Projekte zu erfahren, darunter „Wir am Wasser in Aken”, „#openpavillon”, „Caravan Orchestra & Choir”, „Come Closer”, „YAM Ensemble”, „OMA Café”, „Generation J” u.v.m. Wir stellen Euch auch einige der Leute vor, die hinter diesen wunderbaren Projekten stehen! Nachdem wir 2025 das 25-jährige Jubiläum des Yiddish Summer Weimar gefeiert haben, starten wir 2026 mit einem ganz besonderen und längst überfälligen Thema: „Yiddish Wo:men – Another Story of Modernity“. Drei neue Projekte, kuratiert von Dr. Diana Matut und geöfrdert von der Kulturstiftung des Bundes, stehen im Mittelpunkt des YSW26 – umrahmt von einem abwechslungsreichen Programm an Workshops, Konzerten, internationalen Jugendprojekten und vielem mehr. Mehr darüber könnt Ihr weiter unten in diesem Newsletter lesen. Für die aktuellsten Neuigkeiten und Updates schaut einfach hin und wieder auf der YSW Website vorbei (www.yiddishsummer.eu). Inmitten der unaussprechlichen Gewalt, Gier und des Zynismus, die heute unmittelbar alles Leben auf der Erde bedrohen, kann man leicht den phänomenalen Idealismus, das Durchhaltevermögen und die Kreativität unzähliger Menschen und Organisationen aus den Augen verlieren, die jeden Tag inspirierende, lebensbejahende Arbeit in Kunst, Wissenschaft und sozialen Bewegungen leisten. Wir sind dieser virtuellen Gemeinschaft zutiefst dankbar und hoffen, dass die OMA zu ihrer Wirkung beitragen kann. Dr. Alan Bern |